Neues von und aus dem Lehrbienenstand


Wenn Vereinsbienen eigene Pläne haben

Von Schwärmen, Stichen und süßen Erfolgen

Offen gestanden habe ich mich anfangs ein wenig schwergetan, in einem für mich fremden Beutensystem zu imkern. Wer jahrelang mit seinen eigenen Beuten arbeitet, entwickelt schließlich gewisse Gewohnheiten. Doch seitdem sogar das Radio bei uns am Lehrbienenstand vorbeigeschaut hat, ist diese Hemmschwelle fast vollständig verschwunden. Man wächst eben mit seinen Aufgaben – und manchmal auch mit seinen Schwärmen.

Dabei durfte ich lernen, dass Vereinsbienen durchaus schwärmen können. Und wie sie das können! Nicht etwa alle drei Völker gleichzeitig, damit man die Sache in einem Aufwasch erledigen kann. Nein, das wäre viel zu einfach gewesen. Stattdessen schwärmten alle drei Völker in schönem zeitlichen Abstand von mehreren Wochen.

Die ersten beiden Schwärme verhielten sich dabei vorbildlich. Geradezu lehrbuchmäßig und ausgesprochen fotogen ließen sie sich nur wenige Meter vom Bienenwagen entfernt in etwa einem Meter Höhe in einem Apfelbaum nieder. So etwas wünscht sich jeder Imker. Leider ist der Lehrbienenstand für genau solche Fälle nicht vollständig ausgerüstet. An dieser Stelle zeigte sich jedoch wieder einmal die Hilfsbereitschaft unserer Vereinsmitglieder. Der eine oder andere Imker half unkompliziert mit einer Leihgabe aus und erleichterte damit die Arbeit erheblich.

Währenddessen füllten sich die Honigräume zusehends. Die Waben waren verdeckelt und wollten geerntet werden. Doch was tun, wenn man selbst auf Dadant imkert, der Lehrbienenstand jedoch mit Deutsch-Normalmaß ausgestattet ist? Zum Glück war auch dieses Problem schnell gelöst. Dieter stellte uns kurzerhand drei Honigfluchten zur Verfügung. Vielen Dank dafür!

Beim Aufsetzen der Fluchten und später während der Honigernte fiel allerdings ein weiteres Problem auf. Auffallend viele Bienen hielten sich hinter den Beuten und auf dem Boden des Bienenwagens auf. Einige vertraten dabei sehr deutlich die Auffassung, dass der Imker seine Arbeit schneller erledigen sollte, und verliehen dieser Meinung mit gezielten Stichen Nachdruck.

Hier könnte ein Arbeitseinsatz Abhilfe schaffen. Die Zugänge zu den Beuten sollten so angepasst werden, dass die Bienen bequem ein- und ausfliegen können, ohne sich neben oder unter den Beuten Zugang zum Innenraum des Bienenwagens zu verschaffen. Für Besucher unseres Lehrbienenstandes ist die derzeitige Situation nur schwer nachvollziehbar.

Zurzeit sind unsere Mädels ohnehin eher auf Krawall gebürstet. Sie verfolgen nicht nur den Imker, sondern gelegentlich auch Spaziergänger und Besucher des Parkgeländes. Positiv betrachtet sorgt dies natürlich für eine wirksame Zugangskontrolle und hält ungebetene Gäste zuverlässig fern. Dennoch sollten wir auf der nächsten Versammlung gemeinsam überlegen, welche Lösungen hier sinnvoll wären.

Doch nun zum erfreulichen Teil:

Der Honig ist geerntet!

Rund 52 Kilogramm befinden sich inzwischen sicher in Hobocks und warten auf ihre weitere Verarbeitung.

Die Eckdaten der ersten Schleuderung:

  • Wassergehalt: 15,3 %
  • Menge: 52,0 kg
  • Geerntet in Gut Eichthal
  • Geschleudert in Dahlhaus

Damit stellt sich nun die spannende Frage: Was genau haben unsere Bienen eigentlich eingetragen?

Handelt es sich um einen klassischen Blütenhonig? Oder sind wir mit der Bezeichnung „Frühtracht“ bereits bestens bedient?

Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir den Honig etwas genauer unter die Lupe nehmen. Farbe, Geschmack, Leitfähigkeit und möglicherweise auch eine Pollenanalyse können wertvolle Hinweise liefern.

Vielleicht hat der eine oder andere von euch bereits eine Idee oder Erfahrung, welche Trachtquellen unsere Vereinsbienen in diesem Frühjahr bevorzugt, angeflogen haben. Die Diskussion darüber dürfte mindestens genauso spannend werden wie die Honigernte selbst.

Fortsetzung folgt …